Das absehbare Nicht-Ende des Ukrainekriegs
Ein Ende des Stellungskriegs, das nicht den Kriegszielen der NATO und Kiews entspricht, wäre eine Niederlage des Westens. Diese Niederlage einzugestehen, wird er solange irgend möglich hinauszögern, schon um die Massen seiner Anhänger im Glauben ihrer Überlegenheit zu halten. Deshalb wird Washington wohl eher auf ein Einfrieren des Konflikts zusteuern als auf eine Entscheidung auf dem Schlachtfeld. Dabei würde die Illusion eines militärischen Patts einen Waffenstillstand begünstigen oder jedenfalls ein Abflauen der Kämpfe bis auf die faktische Grenzsicherung entlang der Frontlinie, regelmäßige Drohnen- und Raketenduelle und gelegentliche Kommandoaktionen gegen feindliche Infrastruktur.
Diese Strategie könnte aber nur aufgehen, wenn sowohl Moskau als auch Kiew den Status-quo stillschweigend akzeptieren und beide auf formale Vereinbarungen über die Zukunft der Ukraine, den Rückzug der NATO-Strukturen, die Abgrenzung und Sicherung der russisch kontrollierten Gebiete, die Auflösung der ukrainischen Naziverbände usw. auf unbestimmte Zeit verzichten, sowie größere Kampfhandlungen vermeiden. -1)
Ob und wann der Westen dazu bereit ist, weiß heute niemand. Doch jede andere mögliche Lösung käme den USA und dem Westen "teurer" als diese. Folglich wird Washington auf Dauer dahin tendieren, die Ukraine de facto an der Frontlinie zu teilen und die verfeindeten Teile sich selbst zu überlassen.
Ohne die Ressourcen der USA aber sind die europäischen NATO-Staaten schon heute ökonomisch, administrativ und militärisch außerstande, diesen Krieg gegen Russland anders zu beenden als mit einer dauerhaft offenen, immer weiter blutenden Wunde an Europas Ostgrenze. Heilen ließe die sich nur wieder durch gütliche Einigung mit Russland, unter Einschluss von dessen legitimen Sicherheitsinteressen.
Genau daran scheint Europas herrschende Klasse jetzt am allerwenigsten interessiert zu sein. Ihre Priorität legt sie gegenwärtig in fast allen Ländern auf den Totalumbau der Gesellschaften für neue Kriege. Der Ukrainekonflikt wird ihr dabei noch auf Jahre hinaus als immer wieder aktualisierter Vorwand dienen.
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1) Ergänzung 25.02.2023: Im Gegenzug müsste der Westen die Aufnahme der Ukraine in NATO und EU stillschweigend auf Sankt-Nimmerlein hinausschieben.
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