Zur Rolle der Digitalisierung in den gegenwärtigen Produktionsverhältnissen

 

Dies ist der erste Teil meiner Überlegungen zur Dauerkrise des Westens

Nachdem in den vorausgegangenen industriellen Revolutionen die bäuerliche Selbstversorgungswirtschaft in den nördlich-westlichen Industrieländern beinah restlos verschwunden und einer, ganze Länder mit Monokulturen überziehenden Agroindustrie gewichen war, die hoch technisiert, mit einem Minimum an Arbeitskraft für den Weltmarkt produziert,

- nachdem die große Industrie das Handwerk verdrängt hatte,

- nachdem das Fließband, die technologische Großproduktion in weltumspannenden Konzernen zur vorherrschenden Produktionsweise geworden war,

- ist mit der Digitalisierung ein weiterer epochaler Entwicklungsschub der Produktivkraft in Gang gekommen, der die ganze Gesellschaft umfassend verändert.

Die Frage des Zugriffs auf Daten ist eine Machtfrage. Digitalisierte Produktion und Verteilung schafft neue Abhängigkeitsstrukturen, sowohl innerhalb der Gesellschaften als auch in der internationalen Konkurrenz zwischen Ländern, zwischen den Großmächten, gegenüber abhängigen Ländern. Beispiel: Apple produziert nicht selbst, sondern hat dazu das Unternehmen Foxconn in Taiwan hochgezogen, und dieses beschäftigt ca. 1 Million Arbeitskräfte - wo? In der VR China.

Der Streit um die Datenhoheit zwischen den Machtblöcken, innerhalb der EU, zwischen den Monopolen ebenso wie zwischen diesen und kleineren, auch auf die Infrastruktur angewiesenen Unternehmen ist im Zusammenhang mit zunehmenden Angriffen auf Kommunikationsnetze offen sichtbar geworden. Er hat sich seither zum weltweiten Machtkampf der Großmächte gesteigert und wird mit allen ökonomischen, politischen, bis hin zu militärischen Mitteln ausgetragen.

Die Entwicklung wird angetrieben von der Konkurrenz der Finanzoligarchien. Wer zu spät und zu wenig investiert, verschwindet vom Markt. Wie jede neue Stufe der Industrialisierung verlangt die Digitalökonomie Kapitalien in einer bis dahin nie erreichten Größenordnung. In der Telekommunikation und deren Anwendung haben US-Konzerne führende Positionen eingenommen. Apple oder Google haben inzwischen eine Größe von etwa dem 10-fachen Börsenwert der deutschen Konzerne wie Siemens oder Daimler.

Die Veränderungen der Produktivkräfte durch die Digitalisierung führen auch zu Veränderungen im Überbau der Gesellschaft, in der Politik, im Rechtssystem, im Gesundheits- und Bildungswesen usw. Mit Blick auf die Entwicklung der Klassenverhältnisse in der Gesellschaft wird vermutet, dass die Arbeiterklasse nicht schrumpft, sondern größer wird, allerdings in veränderter Zusammensetzung. Zum einen fallen direkt in der materiellen Produktion mehr und mehr Arbeitsplätze weg, während die Zahl der Computer- und Dienstleistungsjobs steigt. Zum andern tritt an die Seite des Industrieproletariats ein immer weiter wachsendes Dienstleistungsproletariat, das teils im Dienst von Großunternehmen - teils aber als selbständige Ich-Unternehmer seine Kundschaft bedient.

Auch das Industrieproletariat, der Kern der Arbeiterklasse, verändert sich. Auch in seiner Lebensweise, seiner Weltsicht. Man kann es überall deutlich spüren: Besonders die neu entstehenden Zwischenschichten, Ingenieure, Techniker, Aufseher und mittleres Management, aber unter deren Einfluss auch große Teile der Arbeiterschaft lassen sich ihre ganze Denk- und Lebensweise von den Digitalmonopolen Google, facebook, Amazon u.a. über gleichgeschaltete Massenmedien ummodeln.

So prägt die von der Digitalökonomie verbreitete Ideologie die Leitbilder sowohl für Konsumverhalten und individuelle Karriere als auch für das Verhältnis zu anderen Nationen, für eine barbarische Vergiftung der Gesellschaft mit Sozialdarwinismus und Militarismus. Damit werden Verteidiger sozialer und demokratischer Rechte und eines friedlichen Zusammenlebens als "Verlierer", "Querdenker", "Putinversteher" usw. diffamiert und ausgegrenzt.

Letztlich entscheidet die Stärke der gewerkschaftlichen Organisationen, inwieweit die Lasten der Dauerkrise und deren "Bewältigung" auf die Masse der Bevölkerung abgewälzt werden können. Sichtbar wird das z.B. in verschiedenen Initiativen, die Gewerkschaften in das Sanktionsregime der USA gegen Russland und China einzubinden, obgleich die Sanktionen weniger Russland und China als vielmehr der deutschen Wirtschaft schaden (wie schon seit Jahren die US-Strafzölle auf deutsche Stahl- und Aluminiumlieferungen).

In Deutschland gibt es nach wie vor 1990 zwei strategische Tendenzen des Krisenmanagements: Die "Transatlantiker" propagieren auf Gedeih und Verderb die Rolle als Juniorpartner der USA, die in der Digitalökonomie führend sind. Die strategische Gegenposition verfolgt eine von den USA unabhängige, durch Dominanz in der EU verstärkte Öffnung zu den asiatischen, lateinamerikanischen und afrikanischen Märkten. Die Richtung der Gesamtstrategie wird letztlich, wenn auch politisch umkämpft, durch die Macht der Großkonzerne entsprechend ihrer Stärke im globalen Konkurrenzkampf bestimmt. Deutlich wurde dieser strategische Konflikt z.B. am missglückten Versuch, den chinesischen Digitalriesen Huawei vom Aufbau des hiesigen 5G-Netzes auszuschließen.

Ohne die Herstellung der internationalen Arbeitereinheit in Gewerkschaften und widerständigen Bündnissen kann die seit Kaiser Wilhelm-II verfolgte Indienstnahme der Arbeiterklasse für die ökonomischen und militärischen Weltmachtansprüche des "Wertewestens" nicht aufgehalten werden. Entscheiden wird darüber die Frage der Perspektive: Wie kann die Arbeiterklasse bei der Wiedergewinnung ihrer Kampfkraft weiter kommen? Wie kann es ihr gelingen, deutlich zu machen, dass der Zuwachs der Produktivkräfte alle Voraussetzungen für den Übergang zu einer krisenfreien, friedlichen, "rationellen Regelung des Stoffwechsels mit der Natur" geschaffen hat und durch alle Krisen hindurch weiterhin schafft?

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