Was mir an der Sendung Hart-aber-fair (ARD 13.02.2023) auffiel

1. Carl v.Clausewitz (1780-1831, preußischer Generalmajor, Heeresreformer und Militärwissenschaftler):

"Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln."

Also sei Krieg niemals Selbstzweck, sondern Mittel zur Erreichung eines politischen Ziels. Jeder Krieg hat also eine politische Entstehungsgeschichte. Ohne Kenntnis der politischen Ziele der Kriegsparteien sei ein Krieg nicht zu beenden. Ohne deren Verständnis und (Verhandlungs-)Lösung kann der Krieg nur mit der Vernichtung des Gegners enden.

2. Kein Krieg wird nur mit Waffen ausgefochten. Wichtiger als die Waffen sind die Menschen, die ihn führen (sollen) oder/und in deren Namen er geführt wird. Um einen Krieg zu gewinnen, müssen die Menschen von seinem Ziel überzeugt sein oder werden. Dazu dient Kriegspropaganda (als "zivilisierte" Form des Kampfgeschreis oder des Waffensegnens).

3. Hauptinhalt der Kriegspropaganda ist immer, dass die eigenen Kriegsziele "gut" sind und der Feind "böse" (Alleinschuld, Kriegsverbrecher, irrational, Diktator usw.) Kriegspropaganda arbeitet mit einseitig gefärbter Darstellung von Tatsachen ("Waffen schützen Menschen" u.ä.), bis hin zu Lügen, vor allem aber appelliert sie an die guten Gefühle, ohne die wir alle nicht leben könnten.

4. Bis auf die Alibi-Linke waren alle ausgewählten Studiogäste erklärte und bekannte Befürworter-innen der bewaffneten „Selbstverteidigung“ der Ukraine: 4:1, das stand im krassen Widerspruch zum eingeblendeten Umfrageergebnis von 58 % für diplomatische Lösung und schlägt dem journalistischen Anspruch auf Ausgewogenheit offen ins Gesicht. Am schlimmsten fand ich, dass auch der Nazi-Verehrer Melnik noch eine Propaganda-Bühne für Waffenlieferungen bekam.

5. Je nach Kriegsverlauf stellt die Propaganda den feindlichen Aggressor als kriegsgeil und verhandlungsunwillig dar, auch wenn das Gegenteil schon erwiesen wurde (zuletzt wenige Tage vor der Sendung durch den israelischen Ex-Premier Naftali Bennett).

6. Beklagt werden nur die unschuldigen Zivilopfer in den vom Aggressor eroberten Gebieten, nicht aber die viel größere Zahl der gefallenen und verletzten Kämpfer auf beiden (!) Seiten der Front. Das ist wichtig, um die eigene Waffengewalt und deren Eskalation zu rechtfertigen.

7. Stellvertreterkriege, wie sie seit dem 2.Weltkrieg von der westlichen Supermacht bevorzugt werden, erlauben den Kriegsplanern, ihre Verantwortung und evtl. Kriegsschuld hinter der Kulisse eines „Bündnisses“ zu verbergen - vorausgesetzt, alle Bündnispartner stellen sich ahnungslos. Das befolgte die Studiorunde bei Hart-aber-fair mit peinlichster Beflissenheit: Nicht ein einzigesmal wurden die USA oder die NATO erwähnt, alle taten so als ob die europäischen Regierungen unabhängig entscheiden könnten, ob und in welcher Menge sie welche Waffen liefern (siehe die diversen „roten Linien“, die Kanzler Scholz eine nach der anderen unter Druck überschritten hat).

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