Düstere Aussichten. Zwischenbilanz zum Kalten Krieg 2.0

 In den letzten 30 Jahren hat in Deutschland die gesamte herrschende Klasse, mit ganz wenigen Ausnahmen, ihren Vorteil darin gesehen und als unabänderliche Existenzbedingung der Menschheit angenommen, sich unter die Befehlsgewalt der Supermacht USA zu beugen. 30 Jahre: Eine ganze aktive Generation kennt keine andere lohnende Lebensweise mehr. Und sie verteidigt ihre Unterwerfung unter den fremden Willen gegen alle möglichen Alternativen, mit allen Mitteln, bis hin zum Risiko der eigenen Auslöschung.

Noch tragischer ist, dass diese Klasse nicht sieht - nicht sehen will, dass sie als einzig übrig gebliebenes historisches Subjekt die Macht hätte, diese unwürdige und katastrophale Unterwürfigkeit zu beenden.

Was dem Kanzlerdarsteller Scholz und dem NATO-Flintenweib Baerbock die Vollmacht gibt, unser Aller Zukunft in einem globalen Machtpoker zu verzocken, ist die Geschichtsvergessenheit der ganzen heute politisch und wirtschaftlich aktiven Generation. Wie es jetzt aussieht, ist diese Epoche nicht fähig, aus der Geschichte zu lernen, ihre Tagesinteressen hinter den langfristigen Überlebensinteressen zurückzustellen. Was wie Blindheit gegenüber der Geschichte wirkt, ist der lauthals propagierte Vorrang des Heute gegenüber dem Morgen. Wer seit 1989 das "Ende der Geschichte" herbeiwünschte und -bombte, blickt nicht weiter als die bizarre Gier einer selbsternannten "Elite" nach ihrem Endsieg über den ganzen schäbigen Rest der Menschheit. Was sich außerhalb der westlichen Hackordnung bewegt, erscheint den nach 1990 hier zu Ämtern und Wohlstand Gekommenen als feindliche Störung der "regelbasierten" Weltordnung - deren Regeln der Westen diktiert.

- Die von Scholz beschworene "Zeitenwende" fand also nicht am Tag des russischen Einmarschs in die Ukraine, am 24.02.2022 statt, sondern 30 Jahre vorher. -

Ein bestimmender Zug dieser Zeitenwende ist das Ineinandergreifen von schleichender Aushöhlung der bürgerlich-demokratischen Verfassung westlicher Staaten mit umfassender Militarisierung ihrer Politik und Außerkraftsetzen von Grund- und Menschenrechten. Den Kern dessen bildet die seit den 1990er Jahren immer aggressiver verfolgte Strategie der Westmächte, die aus dem Untergang der Sowjetunion entstandenen Machtverhältnisse in Europa zu ihren Gunsten zu verschieben. Das führte in eine neue Blockkonfrontation. In diesem neuen Kalten Krieg, der mit dem Ukraine-Krieg inzwischen zum heißen eskalierte, hat sich Deutschlands herrschende Klasse auf bedingungslose Vasallentreue zu den USA festgelegt. Und indem die mediale Propaganda diesen Kurs fast unisono aktiv befördert, verstärkt sie die Geschichtsblindheit der westlichen "Wertegemeinschaft".

- Wobei auch diesseits des Atlantiks hinter dem Vorhang der Bündnistreue nun die Legende durchscheint, "wir" als die "Guten" seien berufen, überall auf der Welt das "Böse" zu besiegen. Da schlägt Geschichtsblindheit in bewusste Geschichtsfälschung um. Das kann nur in einer Katastrophe enden.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Mein Fazit aus Trumps Drohung, der Ukraine Tomahawk-Raketen zu liefern

Zu den Aussichten auf die neuen Kräfteverhältnisse nach Beendigung des Ukraine-Kriegs