Jacob Zuma's "Zulu-Rassismus" und die Zukunft der Demokratie im südlichen Afrika

 Liebe Schwester,

mit etwas Verspätung habe ich jetzt den Zeitungsaufsatz gelesen, den du mir aus Südafrika gesandt hast. (Leider ohne Quellenangabe, so dass ich ihn hier nicht verlinken kann.)

Hierzulande kreisen die Medienberichte über Jacob Zumas Inhaftierung und die daraus entstandenen Gewaltexzesse fast ausschließlich um die Anklage der ANC-Herrschaft als „Kleptokratie“. In diesen Topf schmeißen unsere Medien überhaupt alles, was deutsche Hirne zu Südafrika lesen und hören (sollen). Dieser in meinen Augen äußerst einseitigen Schablone folgend gäbe es also auch keinerlei Unterschiede zwischen Zuma und der aktuellen ANC-Funktionärskaste. Und was hier in Deutschland noch schändlicher ist: So kann man sich um das Problem des Rassismus scheinheilig herummogeln, der im südlichen Afrika nach dem offiziellen Ende der Apartheid zwar (wieder) seine Farbe geändert hat, aber doch eng mit den Hinterlassenschaften des westlichen Kolonialismus verbunden ist. Da war es für mich sehr erhellend, diese Geschichte mal aus der Sicht eines ANC-Aktivisten zu erfahren.

Obwohl in dieser Sicht auch zu kurz kommt, woraus denn der von Zuma instrumentalisierte „Zulu-Nationalismus“ immer noch wieder neu entsteht: - einesteils dürfte der Clan-Chef einen großen Teil seiner Millionenbeute unter seine Stammesverwandten verstreut haben, um sich deren treue Gefolgschaft zu erkaufen – zum andern steht er damit natürlich nicht allein, sondern folgt, wie alle Zulu-Häuptlinge vor und neben ihm, den seit Jahrtausenden angeborenen Riten aller Stammesgesellschaften. Was nur beweist, dass diese Gesellschaft nach dem Ende der kolonialen Apartheid in ihre Vormoderne zurückgekehrt und keineswegs reif für unsere Vorstellungen von "Demokratie", "Zivilisation" usw. ist. Ob mit oder gegen Zumas Sympathisanten und Nachfolger im ANC, dürfte dieser Modernisierungsprozess noch Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte dauern. Damit wirst du nun wie wir alle leben müssen.

(Meine Schwester lebt in Johannesburg, Republik Südafrika.)

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