Schwarz-grüne Rentenmärchen
Dauerskandal: grassierende Altersarmut in einem der reichsten Länder der Erde. Verantwortlich: Alle Regierungsparteien der letzten zwanzig Jahre, egal in welchen Kombinationen. Wirkungen: fortschreitende Kürzung des Rentenniveaus bis auf Hartz-IV und darunter, Privatisierung der Altersvorsorge bringt Riesenprofite für Versicherungskonzerne. Würde sich daran nach der nächsten Wahl etwas ändern? Etwa durch eine schwarz-grüne Koalition?
Der
Sozialflügel der CDU veröffentlichte dieser Tage ein Konzept, das dem gerade
beschlossenen Grundsatzprogramm der Bündnis-Grünen an dieser Stelle weit
entgegen kommt: Alle Berufstätigen, auch Beamte, Freiberufler und
Selbstständige sollen in die gesetzliche Rentenversicherung eintreten und in
ihr auf alle Einkommen Rentenbeiträge einzahlen, auch auf Kapitaleinkünfte und
Mieteinnahmen. Das deckt sich mit den Versprechungen der Grünen. Auch die
Beitragsbemessungsgrenze, die heute die Beitragspflicht auf höhere Einkommen
deckelt, will der CDU-Fachausschuss Soziales abschaffen. Auch das eine
Forderung der Grünen.
Allerdings muss
sich erst erweisen, ob der Sozialflügel in der CDU sich damit gegen den
mächtigen Wirtschaftsflügel durchsetzen kann. Dessen Hardliner reagierten
"entsetzt“, berichtete die „Welt“, und die Sozialeren unter den Schwarzen
beeilten sich einzulenken, es werde am Konzept „noch erhebliche Veränderungen“
geben. Schließlich gilt eine gesetzliche Rente für alle Erwerbstätigen in der
Christlich-Demokratischen Union immer noch als Auftakt der sozialistischen
Revolution.
Umgekehrt
zeigen die Grünen weniger Skrupel, sich der CDU zu nähern. Man trifft sich bei
der kapitalgedeckten Finanzierung eines zusätzlichen privaten Rentenfonds, oder
wie es die Grünen in ihrem neuen Programm schreiben: "Private und
betriebliche Altersvorsorge können die gesetzliche Rente sinnvoll ergänzen. Die
kapitalgedeckten Säulen der Altersvorsorge sollen künftig öffentlich
organisiert und verwaltet werden." Damit soll die blamierte Riester-Rente
abgelöst werden, oder wie es im Grünen-Programm heißt: "Jede*r, die und
der nicht widerspricht, soll sich daran beteiligen. So wird eine attraktive
Rendite auch für Kleinanleger*innen erzielt."
Die
Einbeziehung von Beamten, Politikern und allen Selbstständigen in die
gesetzliche Rentenkasse, bei Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze, würde
sofort riesige finanzielle Spielräume eröffnen, um endlich auch in Deutschland
Geringverdiener*innen vor einem Abrutschen in die Altersarmut zu schützen.
- Doch
Revolutionen kann man nicht wählen - die muss man machen.
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