Mit der Corona-Pandemie explodiert die Altersarmut.
Wie aus dem "Schuldneratlas 2020" der Wirtschaftsauskunftei Creditreform hervorgeht (RN vom 11.11.2020), treibt Corona die Überschuldung alter Menschen ab 70 Jahre exponentiell in Rekordhöhe. Während schon in den acht Jahren seit 2013 ihre Zahl sich vervierfachte, was einer jahresdurchschnittlichen Zunahme von 44.000 Personen entsprach, stieg in den letzten zwölf Monaten ihre Zahl sogar um mehr als 108.000 auf 470.000 an.
Senior*innen
sind also nicht nur in erhöhter Gefahr besonders schwerer Krankheitsverläufe im
Fall einer Infektion mit dem Corona-Virus, und infolgedessen haben sie die strengsten
Kontaktsperren zu ertragen, sondern obendrein ziehen der Corona-bedingte Rückgang
der Beschäftigung und der Verfall des allgemeinen Lohnniveaus auch den
Rentner*innen die finanzielle Existenzgrundlage unter den Füßen weg. Der Hebel
dafür ist die von diversen SPD-Grünen und groß-koalitionären Regierungen
gekürzte „Rentenformel“ der gesetzlichen Rentenversicherung.
Zugleich zeigt
sich, wer vom Sozialabbau seit der Regierung Schröder-Fischer wirklich
profitiert hat. Jetzt gibt sogar Bert Rürup, einer der Architekten beim
massiven Umbau des Rentensystems, indirekt zu, dass das eigentliche Ziel der "Reformen“
die Privatisierung der gesetzlichen Altersvorsorge war, aber sie sei "gescheitert“.
Jetzt schreibt er: "Die Versicherungswirtschaft hatte nun fast zwei
Jahrzehnte Zeit, renditestarke und kostengünstige Produkte zur privaten
Altersvorsorge zu entwickeln - und ist daran gescheitert."
Dazu passt die
Nachricht, dass Deutschlands größter Versicherer, die Allianz, bei neuen
Verträgen nicht mehr garantieren will, dass die Rentner*innen am Vertragsende
wenigstens die bis dahin geflossenen Beiträge wieder ausgezahlt bekommen. Die
Regierungen von Schröder-Fischer bis Merkel-Scholz haben also dafür gesorgt,
dass die Deutschen, die Milliarden in private Rentenversicherungen gesteckt
haben, jetzt sogar einen Teil ihrer Beiträge verlieren.
Was nun
dringend passieren muss: Die Politik muss nicht nur vom Lockdown betroffenen
Unternehmen einen Teil der Corona-Verluste ausgleichen, sondern die Folgen der
Pandemie machen jetzt auch eine Kehrtwende in der Altersversorgung
unvermeidlich. Wir brauchen eine gesetzliche Rente, die vor Überschuldung
schützt und wieder den Lebensstandard im Alter sichert.
Österreich
macht vor, dass dies in der Praxis funktionieren kann.
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