Dortmunder Stadtplanung im Spekulationsrausch. Die LINKE Dortmund muss das Größenwahnprojekt Hauptbahnhof-Nord konsequent ablehnen.
Phönix-See, Phönix-West, "Dortmunder U"-Turm, Fußballmuseum, Flughafen --- das "neue, schnelle" Dortmund präsentiert sich auch im neuen Jahrtausend als Paradies der Spekulanten mit "Leuchttürmen" und "Alleinstellungswerten“: jetzt in Gestalt eines Mammutprojekts hinter dem Hauptbahnhof. Wirtschaftsförderung im Superlativ. Und jedes der Großprojekte hat etwas von dem, was man in Bayern ‚Amigo’-Wirtschaft nennt.
Das volle Ausmaß der elitären Hybris zeigt sich, wenn man
nach den Menschen fragt, die den 24-stöckigen "Turmbau zu Babel" über
den Gleisen doch aufrichten und bevölkern müssten. Soweit überhaupt, kommen
Menschen in der Stadt der Superlative nur als kaufkräftige Nachfrage vor, als
Kunden, Besucher, Fahr- und Flug"gäste", gesichtslose Rechengröße.
Eine menschenfreundliche Stadtentwicklung müsste der Hybris der Planungsbürokratie
ganz andere Ziele entgegen setzen:
- Während Logistikunternehmen wie ein Bahnhof oder ein
Busbahnhof gegen andere Verkehrsträger um Marktmacht konkurrieren – auch indem
sie ihre "Alleinstellungsmerkmale" stärken – hat das solidarische
Gemeinwesen Stadt Chancengleichheit herzustellen, Privilegien und
Benachteiligungen abzubauen, die Lebensverhältnisse aller Bürger zu schützen
und zu fördern. Dazu eignen sich teure Prestigeprojekte am allerschlechtesten.
Eine Kommune, die sich über Mega-Projekte als Förderer der Starken im
Wettbewerb definiert, versäumt ihre eigentlichen Aufgaben und Chancen.
- Gerechte (Um-)Verteilung vor Wachstum! Eine Stadtplanung, die
bedenkenlos immer noch mehr Wachstum fördert, verkennt, dass nicht erst übermorgen,
sondern jetzt der Wachstumswahn längst ökonomisch und ökologisch an Grenzen
stößt und der Schutz der Lebensverhältnisse in der Stadt wichtiger wird als spektakuläre
Megaprojekte.
- In besonderem Maß gilt das für die Mobilität in und zwischen
den Städten. Im krassen Gegensatz zu den Erfordernissen einer umwelt- und
klimaschützenden Verkehrsplanung setzt sich das Megaprojekt Hauptbahnhof-Nord
sogar über das vom Stadtrat beschlossene städtische Mobilitätskonzept in
brutalster Weise hinweg. Ja, gemessen am Ziel einer zeitgemäßen
Verkehrsorganisation mit weniger Autoverkehr und geringeren Belastungen für die
Anwohner-innen und das Klima ist es in mehrfacher Weise extrem schädlich:
- Die Planung verstärkt den Fernbusverkehr, der direkt
massiv den ökologisch wünschenswerten Vorrang für die Schiene schädigt, und
führt die Fernbusse genau dorthin, wo sie den größten Schaden anrichten: zum
Hauptbahnhof.
- Es gibt aber keine nennenswerten Umsteigebeziehungen
zwischen Fernbus und Fernbahn, sie stehen vielmehr in Konkurrenz zueinander.
Wer mit dem Fernbus nach Dortmund fährt, steigt so gut wie nie in die Fernbahn
um. Und umgekehrt würden Abreisende den Fernbus auch an jeder beliebigen
U-Bahnstation oder mit einem Stadtbus erreichen oder lassen sich mit PKW hinbringen.
- Ein ZOB dieser Größe führt automatisch zu enormen Schadstoff-Emissionen
der mit Diesel betriebenen Busse. Dies und noch dazu ein Parkhaus mit 500
Pkw-Stellplätzen wird der Dortmunder Nordstadt zugemutet, die schon heute als
vielfach benachteiligt gilt und so noch mehr belastet wird.
Während andere Städte die Fernbusse aus der Stadt verlagern
– z.B. Köln – plant Dortmund das Gegenteil. Ein Schildbürgerstreich. Aus allen
diesen Gründen hat die Dortmunder LINKE dies Verkehrskonzept bisher in jeder
Variante abgelehnt. Sie darf es auch künftig keiner Weise befördern, auch nicht
wie von unserer Ratsfraktion jetzt erwogen durch Zustimmung zur Gründung einer
entsprechenden "Projektgesellschaft".
geschrieben im Oktober
2020
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